Alter FeuerspritzeHistorie

 

Feuerschutz im alten Nassau

 

Niemand leugnet, dass der Umgang mit Feuer schon seit frühester Zeit eine der größten Kulturleistungen des Menschen war und ein Leben in den kühleren Zonen erst ermöglichte. Die vielfältige Anwendung des Feuers zur Schaffung von Annehmlichkeiten und wirtschaftlichen Vorteilen ist jedermann bekannt.

 

 

Wohl keiner hat es besser formuliert als Schiller in seinem Epos von der Glocke: "Wohltätig ist des Feuers Macht, wenn es der Mensch bezähmt, bewacht ... " Der Dichter schildert uns aber auch eindrucksvoll die vernichtende Kraft des Feuers, wenn es ungebändigt durch die schmalen Häuserzeilen mittelalterlicher Städte oder durch die engverzahnten Hofreiten alter Dörfer raste.

Um Brandkatastrophen zu vermeiden, die in früherer Zeit meist ganze Ortsteile niederlegten, war im Mittelalter schon verordnet worden, Feuer aus "des Nachbarn Haus nur in einem Doppen mit eyn Deckel daruff' zu holen. Feuer anzumachen war bei der früheren Zündtechnik wesentlich schwerer, und ältere Zeitgenossen erinnern sich noch, daß Feuer in den Stubenöfen meist durch Hereintragen von brennenden Herdkohlen entfacht wurde. Das offene Feuer auf den Herdstellen wurde meist in Form der glühenden Holzkohle unter einer Schutzschicht von Asche über Nacht am Glimmen gehalten, so daß es am anderen Morgen nur neu angeblasen werden brauchte.

 

1920_anspacher_feuerspritze.jpgMan kann sich vorstellen, wie gefährdet die alten Holzlehmhäuser waren, wenn einmal ein heftiger Wind durch die breiten Schornsteine in die offenen Herdstellen fuhr und Funkenflug verursachte. Weniger gefährdet waren die Strohdächer von innen, da sie vom Rauch (Rußglanz) sozusagen imprägniert waren, sofern es sich um ein Rauchhaus (ohne Schornstein) handelte.

Die ersten generellen Lösungsversuche des großen Ausgeliefertseins an das unkontrolliert tobende Element datieren in Nassau aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Es waren ja nicht nur die Unvorsichtigkeiten beim Übertragen von Feuer, der Funkenflug der offenen Herdflammen und die offenen Öl-, Kienspan, und Fackellichter, die zu Bränden führten. Die Strohdächer waren eher von außen verwundbar. „Den roten Hahn auf das Dach setzen“ war in Kriegen eine übliche Art der Brandstiftung. Auch Blitzschlag verursachte oft große Katastrophen.

 

Die fürstliche Landesregierung in Nassau-Oranien verordnete bereits 1750, "die Bürger sollen Bedacht nehmen, unter sich kirchspielweise Hauptspritzen une Handspritzen auf ihre Kosten anzuschaffen. Wo lederne Eimer, Feuerhaken une Leitern fehlen, müssen die Geräte gekauft werden. In den Orten, in denen fließende Wasser oder Weiher fehlen, haben die Gemeinden Brandweiher anzulegen und im Winter offenzuhalten. Bei ausgebrochenen Bränden ist gute Ordnung zu halten, ein Teil der Mannschaft ist an die Spritzen und Leitern zu stellen, ein Teil hat zu löschen und ein Teil Wasser zu reichen." Diese Verordnung wurde 1757 ergänzt durch den Hinweis, dass die Feuerspritzen alle sechs Wochen zu probieren, die Schläuche nachzusehen und einzuölen und die Feuerleitern instandzusetzen und anzuketten seien, damit Diebe sie nicht holen. Feuerleitern, Einreißhaken an langen Stangen und Ledereimer waren an einer zentral gelegenen Mauer (meist Kirche oder Kirchhofmauer) oder im sogenannten Leiterhäuschen untergebracht. Bei Feuerruf durch Horn oder Sturmläuten - so forderte die staatliche Verwaltung - hatten sich gewisse Leute sofort zur Spritze zu begeben, und bei einem Brand im Nachbarort mussten bestimmte Pferdebesitzer sofort anspannen. Zwei Drittel der Mannschaft hatten sich zur Brandstätte zu begeben, und ein Drittel musste zuhause bleiben, um auf Mordbrenner zu achten, da solche "von Ort zu Ort eilen", um Brände zu legen. Diese Anordnungen mussten bei "Geld- und Turmstrafe" genau befolgt werden. Man muss sich bewusst machen, dass die alten Feuerspritzen, die auf dem Prinzip der Druckpumpe mit zwei Ventilen beruhten, feuerlöschtechnisch gegenüber dem Eimerreichen einen großen Fortschritt bedeuteten, jedoch immer noch recht unzulänglich waren. Zwar konnte der Wasserstrahl schon eine beträchtliche Höhe erreichen, wenn man die Düsenöffnung entsprechend verengte, aber der Strahl war dann so dünn, dass er fast wirkungslos blieb. Erst nach dem Bau der Druckwasserleitungen - in Anspach 1926 - konnten Hydrantengeräte eingesetzt werden. Dadurch wurden erstmals die Brandherde erfolgreich bekämpft. Darüber informiert anschaulich eine Dauerausstellung im Hessenpark.

 

 

Brandbekämpfung in Anspach im 19. Jahrhundert

 

1920_signaltechnik.jpgAus diesen Darlegungen wird klar, dass schon um 1750 die Grundlage der späteren Feuerwehren Nassau gelegt wurde. Doch auch die großen Brände in Anspach von 1797 und 1803 beweisen, wie erheblich der Schaden werden konnte, wenn nicht eine fest organisierte und ausgebildete Mannschaft unter klaren Kommandos ans Werk ging. In der Not zeigte sich zwar die Hilfsbereitschaft der Mitbürger, 1797 sogar der französischen Besatzungssoldaten, doch war Brandbekämpfung damals eine höchst ungeordnete, ja chaotische Wasserschlacht, die nicht viel ausrichten konnte. Wenn man die Häuser und Ställe von Wertgegenständen und Vieh räumen konnte, war das viel. Nicht einmal die Nebengebäude wurden in der Regel gerettet, weil man sich dem Brandherd selbst zuwandte, anstatt ein Ausbreiten des Feuers zu vermeiden.

Bei dem wahrscheinlich durch französische Besatzung im Herbst 1797 verursachten Brand fiel ein Großteil des Nordostviertels unseres Dorfes dem Feuer zum Opfer. Die 18 betroffenen Familien, die nahezu mittellos vor den Trümmern ihrer Anwesen zwischen Rathausgasse, Bahnhofstraße, Usastraße und Bornweg standen, wollten ursprünglich auswandern. Über die schwere Aufbauzeit finden sich genaue Ausführungen in dem Buch "Neu-Anspach - Werden und Wirken", S. 416 ff. und S. 420 ff. und im Heft 2 des Heimat- und Geschichtsvereins, S. 7 ff.

Der durch Blitzschlag erzeugte Großbrand vom 4. Juli 1803 legte fünf Gebäude zwischen der oberen Usastraße und der Backhausgasse in Schutt und Asche. Noch heute bezeichnet der Volksmund jene Stelle als "den gebrennten Platz''. Eine größere Katastrophe war 1803 durch die Witterungsbedingungen, nicht aber durch die damalige Feuerlöschtechnik verhindert worden. In der "Taxation des Brandschadens", der sich auf 2543 Gulden belief, heißt es: "Durch äußerst heftigen Regen hat sich jedoch das Feuer in die allda aneinander hängende Gebäude nicht viel weiter verbreitet."

Nach beiden Großbränden wurde die Enge des alten Dorfes nicht beseitigt. Großzügige "Sanierungsmaßnahmen" scheiterten von vornherein an dem mangelnden Erneuerungswillen der Betroffenen, was jedoch aus der sozialen Situation zu Beginn des 19. Jahrhunderts (Armut und Existenzprobleme der rasch wachsenden Bevölkerung ohne entsprechende Verdienst- und Ernährungsmöglichkeiten) verständlich erscheint. Was im Blick auf die Feuersicherung damals allerdings verbessert wurde, war die Dachbedeckung.

 

1973_scheunenbrand_fller.jpgDurch Edikte der nassauischen Landesregierung wurde nämlich beim Wiederaufbau das Aufbringen des bisher üblichen Strohdaches verboten, allerdings nur teilweise erreicht. Ein erfolgreicher Bericht einer Brandbekämpfung findet sich in der Anspacher Pfarrchronik, wo auch schon auf eine bessere Organisation im Sinne der ober genannten Verordnungen hingewiesen wird. In diesem Bericht von einem Blitzeinschlag am 17. Dezember 1849, abends 10 Uhr, erwähnte Pfarrer Caesa auch eine damals schon vorhandene Lösch-Mannschaft, die mit entsprechendem Gerät ausgestattet war. Nachdem der Blitz in einer Scheune "zwei Häuse hinter der Kirche an der Bach" gezündet hatte, sei "die Bestürzung besonders bei denen so groß gewesen, welche noch spät in den Wirtshäusern gesessen hatten, das sich dieselben anfangs gar nicht zurechtzufinden wussten. Eine Kuh, welche sich in einem nebenanstehenden Stalle befand, wurde von dem Rauch und den Flammen getötet. Ein starker Wind, welcher sich in Begleitung des Gewitters erhob, drohte da Feuer auch auf die benachbarten Gebäude zu treiben, doch gelang es der Löschmannschaft, welcher es an Wasser nicht fehlte, des Feuers Meister zu werden. Außer der Scheuer, in welcher sich Heu, Stroh, Holz etc. befand, verbreitete sich das Feuer weiter nicht. Man riss das Dach nicht ab, sondern löschte von außen, benetzte dabei die umstehenden Gebäude, wozu der Regen und die Schloßen freilich auch das Ihrige beitrugen.

Eine erste, gewisse Form der organisierten Brandbekämpfung lässt sich in der Satzung des 1847 gegründeten "Turner- und Bürgervereins" feststellen. Die Turner waren gehalten "bei Feuer- und Wassernoth ... an Ort und Stelle zu eilen und durch thätige Hülfe sich auszuzeichnen."

In einer der ersten brauchbaren Katasterkarten von 1871 ist eine Zisterne vor der Kirche eingetragen, die beweist, dass man um die Mitte des 19. Jahrhunderts endlich Vorsorge zur Löschwasserentnahme getroffen hatte. Wie hilflos man jedoch in jener "nicht motorisierten" Zeit bei Bränden im Außenbereich des Dorfes, besonders in Flur und Wald gewesen ist, wie genau man aber auch den Brandursachen nachging, kann dem Leser kommentarlos an dem vorliegenden Ermittlungsprotokoll deutlich werden, das den Brand im ursprünglichen Jagdhaus (Vorläufer des späteren Opelschen Jagdhauses im Weihersgrund) betrifft:

 

 

An den Herrn Landrat zu Usingen

Die im hiesigen Gemeindewald stehende, dem Rentier Schierenberg gehörende Jagdhütte ist in der Zeit vom Abend des 11. bis 14. Des Monats abgebrannt.

 

Anspach, den 15.7.1908

 

Der Brand wurde am vergangenen Dienstag, dem 14. d. M., zuerst von dem hiesigen Schreiner Adolf Jäger entdeckt. Jäger hatte von Schierenberg den Auftrag, an der Veranda kleinere Veränderungen vorzunehmen und hatte bereits am Samstag, dem 11., hiermit begonnen. Als der Genannte am Samstag die Hütte verließ, war nach seiner Angabe noch alles in Ordnung. Am 14. (Dienstag) wollte Jäger die Arbeit fortsetzen und kam zu diesen Zwecke mit seinem 16jährigen Sohn an der Hütte um 7.0 Uhr vormittags an. Bei ihre Ankunft fanden die beiden das Gebäude fast gänzlich niedergebrannt. Ich eilte auf die Benachrichtigung des Jäger, nachdem ich veranlasst hatte, dass Löschmannschaften nach der Hütte abgingen, sofort dorthin, umdie Ursache des Brandesfestzustellen. Zunächst lag die Vermutung nahe, dass vielleicht ein Einbruch in die Hütte verübt worden wäre und die selbe nachher in Brand gesetzt wurde. Dieses scheint jedoch nicht der Fall zu sein, denn die aus den Trümmern hervorgeholten Tür- und Vorhangschlösser waren noch sämtlich geschlossen und unversehrt; auch an den Eisenteilen der Fensterläden waren keine Spurer von ausgeübter Gewalt zu sehen. Ferner war das Handwerkszeug des p. Jäger, welches diese in der Hütte hatte stehen lassen und sich infolgedessen sehr gut als Einbruchswerkzeug geeignet hätte, noch vollzählig vorhanden und unberührt.

Zweifellos ist das Feuer im Innern der Hütte entstanden, denn das Innere ist vollständig ausgebrannt, während einzelne äußere Teile, wie die hölzerne Veranda und die nach dem 1. Stock führende Holztreppe, teilweise nur ganz wenig angekohlt sind. Auch an der unmittelbaren Umgebung der Hütte, die aus Wald besteht, ist nicht die geringste Brandspur zu bemerken.

Es dürfte wohl mit ziemlicher Bestimmtheit angenommen sein, dass die Hütte durch einen Blitzschlag des in der Nacht zum Sonntag auf Montag niedergegangenen Gewitters entzündet wurde; die Ausbreitung des Feuers dürfte deshalb so langsam vor sich gegangen sein, da die Hütte infolge der geschlossenen Fensterläden luftdicht abgeschlossen war und dem Feuer zum Fortpflanzen im Innern des Gebäudes die nötige Luft fehlte. Ferner wollen hiesige Einwohner am vergangenen Sonntag vom Feldberg aus gesehen haben, wie gegen 7 Uhr nachmittags ein Blitz in die Gegend des Waldes, da wo ungefähr die Jagdhütte steht, niederging.

Die Ermittlungen werden fortgesetzt.

Eine Anzeige an die Staatsanwaltschaft zu Wiesbaden habe ich bereits abgesandt.

 

Eifländer Gendarmerie- Wachtmeister

 

 

Bis in die 20er Jahre dieses Jahrhunderts blieb es in Anspach bei der Pflichtfeuerwehr, die voll der gemeindlichen Verantwortung unterstand. Wie viel Sorgen den Gemeindevorständen und Bürgermeistern durch die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr abgenommen wurden, kann man nur ermessen, wenn man sich in die Zeiten der Pflichtfeuerwehr zurückversetzt.

 

 

Die Freiwillige Feuerwehr Anspach

 

1926_stiftungsfest.jpgAm 27. Mai 2000 kann die Freiwillige Feuerwehr unseres Ortsteils auf ihr 75jähriges Bestehen zurückblicken: Grund genug, die Bedeutung dieses freiwilligen Dienstes der Feuerwehrleute im Rahmen der kommunaler Daseinsfürsorge zu würdigen und sich der schweren Anfangsjahre zu erinnern.

Die ausgezeichnete Protokollführung von Heinrich Henrici 8. und Hermann Haselbach ermöglicht einen erschöpfenden Einblick in die damaligen Vorgänge. Der Gründungstag fällt in eine Zeit, in der unsere Gemeinde unter schwieriger finanziellen Bedingungen große kommunale Aufgaben (Kanalisation, Wasserleitungsbau, Straßenbau, Wohnungsbau etc.) zu meistern hatte. Es war die weitblickende Bürgermeister Emil Becker, der trotz dieser gemeindlichen Sorgen soviel Energie aufbrachte, die Idee einer Freiwilligen Feuerwehr in unserem Dorf zu verwirklichen (vgl. Heft 1 des Heimat- und Geschichtsvereins, S. 65 ff.).

Kaum einer wird sich noch an die Zeit der Pflichtfeuerwehr vor 1925 erinnern und an J. Bargon, wenn er, als Kommandant auf dem Spritzenwagen stehend, die Übungen leitete. Jedes "Viertel" des Dorfes hatte eine bestimmte Anzahl Bürger als "Löschkundige" zu stellen, ähnlich anderer überprivater Maßnahmen.

 

Dass in einer auf Zwang aufgebauten Organisationsform kein entscheidender Fortschritt im Feuerlöschwesen zu erwarten war, hatten all jene begriffen, die Bürgermeister Beckers Einladung zu einer öffentlichen Versammlung am 22. Mai 1925 ins Gasthaus "Linde" folgten. Der Bürgermeister hielt eine programmatische Rede, die Vorstände der freiwilligen Nachbarwehren aus Usingen und Wehrheim griffen beratend in die Aussprache ein, und am Ende der Veranstaltung konnte bereits zur Gründungsversammlung am 27. Mai 1925 eingeladen werden. Eine Mitgliederkommission hatte die Vorbereitungen getroffen und Vorschläge zur Führung der Wehr ausgearbeitet. Nach einstimmiger Wahl wurde Wilhelm Schöffner zum Hauptmann der Wehr ernannt, Otto Müller und Albert Jäger IH. wurden als Stellvertreter bestätigt. Eine in der Gründungsversammlung gewählte Kommission (Alois Stolz, Rudolf Kutt, Fritz Jäger, Hermann Haselbach) arbeitete die Vereinsstatuen aus. Der Wahlspruch, unter dem die Freiwillige Feuerwehr Anspach antrat, lautete: „Gott zur Ehr dem Nächsten zur Wehr – alle für Einen, einer für alle.“

Die in metall-technischen Berufen versierten Mitglieder Hermann Haselbach, Wilhelm Planz, Albert Planz und Willi Wörner übernahmen die Aufgabe der Spritzmeister. In den Spritzmannschaften waren Amand Lather, Heinrich Planz, Emil Ring und Wilhelm Eifert führend tätig. Die Steigemannschaft wurde von den Dachdeckermeistern Wilhelm Bangert und August Eifert geleitet. Die Ordnungsgruppen unterstanden Josef Bargon, Friedrich Karl Banger und Albert Baum. Georg Friedrich Ernst und Eugen Planz übernahmen den Sanitätsdienst. Am 14. Juni 1925 konnte durch Hornistensignal zur erster Übung um 6 Uhr am Johannisweiher geblasen werden.

 

 

Die Anfangsjahre unter Wilhelm Schöffner

 

Das erste Geschäftsjahr zeichnete sich durch eine vielseitige Aktivität aus. Bis zur ersten Generalversammlung am 17. Januar 1926 fanden 6 Vorstandssitzungen und 11 allgemeine Versammlungen statt. Trotz angespannter Haushaltslage stellte die Gemeinde 3500 RM zur Beschaffung der notwendigen Ausrüstung zur Verfügung. Das Verständnis der Gemeindeverwaltung für die Belange des Feuerschutzes wurde insbesondere von Feuerlöschdirektor Spieß in der großen Versammlung am 28.8.1925 hervorgehoben. Bereits in der Vorstandssitzung vom 6.9.1925 konnte eine Motorspritze bei den Fladersehen Werken bestellt werden. Die Einkleidung von 53 aktiven Mitgliedern wurde ebenfalls im ersten Jahr des Bestehens vorgenommen. Die beiden der Wehr angehörenden Schneidermeister Willi J. Henrici und Emil Urban nähten die Uniformröcke. Das Lederzeug wurde von Sattlermeister Fritz Jäger bereitgestellt.

 

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In der ersten Jahreshauptversammlung beschloss man den Bau eines Schlauchtrockenturms, der von den Firmen Schlapp, Feger und Störkel im Hof des alten Rathauses (Rathausgasse) errichtet wurde. Außer zu einem Einsatz bei der Hochwasserkatastrophe vom 27. Dezember 1925 brauchte die Wehr im ersten Jahr nicht alarmiert zu werden. Schon im November des Gründungsjahres war die Feuerwehr in der Lage, im Saalbau Föller eine große Ballveranstaltung abzuhalten; in den folgenden Jahren beschränkte man sich auf regelmäßige Tanzveranstaltungen und Familienabende.

Das Stiftungsfest, verbunden mit dem Bezirksfeuerwehrtag, wurde vom 25. bis 27. Juli 1926 gefeiert. Die Ausrüstung der Wehr war bis dahin schon recht beachtlich. Lediglich die Frage der Alarmierung erwies sich als mangelhaft. Nach dem Brand vom 16. März 1927 in der Knopffabrik Göbel, wobei auch die Glocken nicht geläutet wurden, kam der Gedanke an eine Sirene zum ersten Mal zur Sprache. Aus finanziellen Gründen konnte ihre Anschaffung aber erst am 24.4.1929 beschlossen werden. Ihres durchdringenden Schalles wegen bewährte sie sich bis um 1980/85. Ab dann waren die "Luftschutzsirenen" im Einsatz. Heute hat sich die Wehr überwiegend auf den sogenannten "stillen Alarm" verständigt.

 

 

Im ersten Jahrzehnt ihres Bestehens wurde die Wehr öfter auch bei auswärtigen Bränden, so in Usingen, Wehrheim, Westerfeld und Schmitten, zu Hilfe gerufen. Die Einsätze im hiesigen Bereich erstreckten sich auf zwei Waldbrände (Rosskopf und Sandplacken), den Brand in der Schreinerei Roos, Bahnhofstraße 1931, den Großbrand in den Anwesen Maas und Reitz in der Usastraße vom März 1933, den durch Blitzschlag bei Fritz Schöffner entstandenen Brand in der Schubertstraße und die Niederlegung des Gehöftes August Jäger 1934 durch Feuer in der Langgasse, woran sich die älteren Einwohner mit Schrecken erinnern.1940_scheunenbrand.jpg

 

Eine Vervollkommnung der Löschtüchtigkeit stellte die Anschaffung eines Motorwagens für die Mannschaft dar. Das voll gummibereifte, offene grüne Fahrzeug - mit seinen gelben Messingteilen und der freihängenden Glocke - konnte von der städtischen Berufsfeuerwehr in Wiesbaden günstig erworben werden. In der Sitzung vom 9. September 1931 riet Bürgermeister Becker zur schnellen Anschaffung dieses Fahrzeuges, damit der Zuschuss des Kreises Usingen, der unmittelbar vor seiner Auflösung stand, noch in Anspruch genommen werden konnte.

Im Jahre 1933 wurde der Versuch gemacht, die Feuerwehr in die Hände der No-Partei zu bringen. Der Gründungsinitiator Emil Becker war politisch entmachtet und verfolgt. Im Hintergrund wurde sogar eine Umbesetzung in der Führungsspitze vorbereitet, die jedoch an der Integrität des Kommandanten Wilhelm Schöffner scheiterte. Unerschrocken stellte er fest, dass die Versammlungen unter seiner Leitung parlamentarisch durchgeführt würden.

 

Der Versuch der Politisierung der Freiwilligen Feuerwehr und der Umerziehung zu einer vormilitärischen Organisation wurde letzten Endes durch einen ausgeprägten Sinn für Geselligkeit und traditionelles Vereinsleben mit den jährlichen Neujahrsbällen, Familienfesten und Ausflügen überwunden.

Der spätere Betrachter dieser Zeit kann allerdings nicht ohne Enttäuschung und Bitternis vermerken, dass es der Freiwilligen Feuerwehr verboten war, geschlossen und in Uniform ihrem eigentlichen Initiator und Ehrenmitglied, Bürgermeister Becker, der 1936 wohl aus Gram über seine politische Entmündigung vorzeitig verstarb, das letzte Geleit zu geben.

 

Am 9.4.1936 dankte der verdiente Kommandant Wilhelm Schöffner, in dessen Händen die Aufbauarbeit lag, aus Altersgründen ab (vgl. Heft 1 Heimat- und Geschichtsverein, S. 87 ff). Die Anspacher Feuerwehr in der Kriegs- und Nachkriegszeit.

Als Nachfolger übernahm Erwin Eiffert die Wehr mit 140 Mitgliedern solange, bis 1939 Emil Ring als Ortsbrandmeister seine erfolgreiche Laufbahn begann. Er leitete in der Kriegszeit mit Umsicht die 23 Einsätze der Anspacher Wehr nach den Bombennächten in Frankfurt, Hanau und Kassel. Mit seinen treuen Mitarbeitern Albert Planz und Albert Jäger III. organisierte er die Wehr nach dem Zusammenbruch 1945 völlig neu und führte sie sowohl feuerlöschtechnisch als auch vereinswirtschaftlich zu einer hohen Blüte. Bei den mancherlei Einsätzen außerhalb (Eschbach, Westerfeld, Emmershausen, Rod am Berg, Wernborn, Wehrheim, Seelenberg, Hausen) und innerhalb des Dorfes (Großbrand durch Tieffliegerangriff in den Anwesen Luft, Keller und Eifert, zweimaliger Brand im Anwesen Adolf Ernst, weitere Brände in den Anwesen Sägerwerk Stärkel, Willi Müller, Heinrich Brand, Ziegelei, Hartmannshenn und Adolf Schütz sowie einer Reihe von Waldbränden) stellten unsere Feuerwehrleute ihre Bereitschaft zu helfen und ihre feuerlöschtechnische Ausbildung unter Beweis.

 

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Emil Ring war seit 1949 auch stellvertretender Kreisbrandinspektor und Träger der Feuerwehrehrenkreuze 1. u. 2. Klasse. Am 9. März 1963 legte Emil Ring die Wehrführung nach 24 Jahren erfolgreicher Arbeit in die Obhut seines Nachfolgers Adolf Riegelhof Diesem war es wegen seiner gesundheitlichen Verfassung nicht vergönnt, seine Erfahrung und seinen zündenden Korpsgeist lange Jahre in den Kreis seiner Kameraden hineinzutragen. Er kümmerte sich vor allem um den jugendlichen Nachwuchs, mit dem ihn ein Band herzlicher Freundschaft und Kameradschaft verband. Adolf Riegelhof tat viel für die Ausbildung und trug entscheidend zur vollen Nutzung der Möglichkeiten im 1955 neu errichteten Spritzenhaus bei. Sein Stellvertreter Oswald Emrich kümmerte sich vor allem um die organisatorische und wirtschaftliche Seite der Wehr.

Nachfolger von Adolf Riegelhof wurde 1970 der in allen Sparten des Feuerlöschwesens ausgebildete Werner Götz, der nach dem Zusammenschluss der Gemeinden das Vertrauen als Brandmeister aller Neu-Anspacher Ortsteilwehren genießt. Dieses Amt des Ortsbrandmeisters hatte er von 1974 bis 1994 inne.

Der Freiwilligen Feuerwehr im Ortsteil Anspach stand von 1974 bis 1989 als Wehrführer Erhard Planz vor, der damit an leitender Stelle die gute Feuerwehrtradition seiner Familie und Verwandtschaft im Geiste öffentlicher Engagements fortsetzte. Bis heute zeichnet er sich für die gesellige Seite der Freiwilligen Feuerwehr verantwortlich. Ihm ist es gelungen, die Feuerwehr als Verein zu festigen.

Dass die Freiwillige Feuerwehr bei Notständen jeglicher Art zur Stelle ist wurde in den vergangenen 7S Jahren nicht nur bei verheerender Hochwasserkatastrophen 1947 und 1949 deutlich, sondern auch bei der Aufräumungsarbeiten nach dem Orkan vom 18. Juni 1966 und bei allen Bränden, vor allem bei dem Großbrand im Anwesen Otto Föller, Bahnhofstraße, am 4.8.1973.

 

 

1972 bis 2000 - 75 Jahr-Feier

 

1975_50_jahre.jpgWichtigstes Anliegen der Wehr war es stets, die Ausrüstung auf einem aktuellen Stand zu halten. So war zu Beginn der siebzig er Jahre das Löschgruppenfahrzeug LF 8 völlig veraltet. "Sollten an dem Fahrzeug Defekte auftreten, sind für Reparaturen keine Ersatzteile mehr zu bekommen", heißt es in alten Aufzeichnungen, und weiter: "Es ist zu befürchten, dass der TÜV das Fahrzeug in absehbarer Zeit aus dem Verkehr zieht. Unter anderem entsprechen die Bremsen nicht mehr dem Stand der Technik."

Dringend nötig war also die Ersatzbeschaffung. 1972 sagte die Gemeinde dann die Finanzierung eines TLF 16/25 zu, für die damalige Zeit ein verhältnismäßig großes Fahrzeug. Auch die Anschaffung einer fahrbaren Leiter mit zwölf Metern Länge wurde damals diskutiert, war die Wehr doch mit Leitern sehr spärlich ausgestattet. Diese Anschaffung wurde jedoch nicht realisiert.

Fast zur gleichen Zeit - im Jahre 1973 - wird erstmals die stille Alarmierung ins Auge gefasst. Die Benachrichtigung der Helfer im Einsatzfalle warf nämlich durch die ständig zunehmende Größe der Gemeinde technische Probleme auf. Die Druckluftsirene auf dem Feuerwehrgerätehaus war bei ungünstigen Windverhältnissen nicht im ganzen Ortsgebiet zu hören. Die Anschaffung einer stärkeren Sirene wollte man den Anwohnern in der Taunusstraße nicht zumuten und die Bestückung des ganzen Ortsbereiches mit Luftschutzsirenen kam aus finanziellen Gründen nicht in Frage. Im gleichen Jahr errichteten die Feuerwehrleute einen Unterrichts- und Besprechungsraum im Kellergeschoss des Gerätehauses. Dadurch wurde erstmals die Möglichkeit geschaffen, Besprechungen nach den Einsätzen sowie Unterrichte in den eigenen vier Wänden durchzuführen. Die Kosten für diese Baumaßnahme hielten sich im Rahmen, wurden die Bauarbeiten doch zum größten Teil in Eigenleistung durchgeführt.

1975 wurde dann die Anschaffung eines LF 8 diskutiert und beschlossen. Dieses zweite Fahrzeug war durch die gute Einsatzbereitschaft - auch am Tage - durchaus gerechtfertigt.

Zu Beginn der achtziger Jahre hatte sich das Einsatzspektrum der Anspacher Wehr - wie auch der anderen Feuerwehren - deutlich verschoben: Deutlich weniger Einsatzfahrten gingen zu Bränden, zahlreiche Alarmierungen waren wegen technischer Hilfeleistungen erforderlich. Grund für die Gemeinde, im Jahre 1980 die Anschaffung von hydraulischen Rettungsgeräten zu finanzieren. Außerdem macht die "stille Alarmierung" der Einsatzkräfte Fortschritte: 20 Funkmeldeempfänger werden in diesem Jahr angeschafft.

1982 erfolgte eine Erweiterung des Fuhrparks: Ein Tanklöschfahrzeug TLF 8/18 ergänzt den Fahrzeugbestand. Es wird vom Land Hessen beschafft, im Hessenpark stationiert und von dort aus von der Feuerwehr Anspach genutzt und eingesetzt. Zusammen mit einem im Rahmen des überörtlichen Katastrophenschutz in Anspach stationierten TLF 8/8 verfügte die Anspacher Wehr zu dieser Zeit über drei Tanklöschfahrzeuge mit einem Löschwasservorrat von zusammen insgesamt 5000 Litern. Nachdem im Jahre 1989 das Tanklöschfahrzeug des Katastrophenschutzes ausgemustert worden war und sich die im Hessenpark bis dahin bestehende Betriebsfeuerwehr aufgelöst hatte, wurde das vom Land beschaffte TLF 8/18 im Anspacher Feuerwehrgerätehaus stationiert.

Ebenfalls 1982 wird die Anschaffung eines Einsatzleitwagens erwogen, dieser wird beschafft und 1984 auch mit einem Funkgerät ausgerüstet. Dieses Fahrzeug leistete treue Dienste bis 1997 und wurde dann für eine Übergangszeit durch ein Fahrzeug Katastrophenschutzes ersetzt.

Eine wichtige Neuerung der Aktivarbeit gab es 1988: Das Durchschnittsalter der Einsatzabteilung hatte sich in den siebziger und achtziger Jahren deutlich erhöht. Die Jugendabteilung, die einmal existiert hatte, hatte sich aufgelöst. Nachwuchsförderung tat not. Innerhalb von vier Jahren (von 1988 bis 1992) gelang es dem Initiator und ersten Jugendwart Ralf Henrici, die neu gegründete Jugendfeuerwehr mit 36 aktiven Jugendlichen zur stärksten Jugendwehr im Hochtaunuskreis zu machen, so dass die Anspacher Wehr nicht über Nachwuchssorgen klagen muss. Aus der Jugendwehr wurden bis heute 22 Helfer in die Einsatzabteilung übernommen. 1989 gab es einen Führungswechsel in der Einsatzabteilung: Erhard Planz, der das Amt des Wehrführers seit 1974 innegehabt hatte, trat aus gesundheitlichen Gründen zurück. Alfred Hübner wurde zu seinem Nachfolger gewählt.

Eine grundlegende Erneuerung des Fahrzeugbestandes gab es in den neunziger Jahren: Die zunehmende Anzahl technischer Hilfeleistungen machte die Anschaffung eines Fahrzeuges speziell für solche Einsätze erforderlich. 1992 konnte ein Vorausrüstwagen angeschafft werden, der mit Stromerzeuger, Spreizer, Schneidgerät und Scheinwerfern ausgestattet ist. Das Fahrzeug wurde von der Gemeinde Neu-Anspach finanziert, für den Innenausbau stellte der Feuerwehrverein 15 000 Mark zur Verfügung. Außerdem schaffte die Wehr in den neunzig er Jahren aus Vereinsmitteln zahlreiche Geräte zur technischen Hilfeleistung an, unter anderem stehen der Wehr dadurch ein Hochleistungslüfter, ein Mehrzweckzug und Hebekissen zur Verfügung.

 

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1994 wurde Alfred Hübner zum stellvertretenden Ortsbrandmeister gewählt, seine Stelle musste daher neu besetzt werden. Die Mitglieder wählten den bisherigen Stellvertreter Ralf Henrici zu seinem Nachfolger. Im gleichen Jahr kehrte auch mehr Ruhe für die Bevölkerung im Ortsteil Anspach ein: Alle Feuerwehrleute waren mit Funkmeldeempfängern ausgerüstet, der Sirenenalarm im Einsatzfall wurde abgeschafft. Seither werden die Einsatzkräfte nur noch still alarmiert.

Nicht zuletzt durch die Neuzugänge aus der Jugendfeuerwehr konnte der Ausbildungsstand der Einsatzabteilung seit Mitte der neunziger Jahre erheblich verbessert und auf den neusten Stand gebracht werden. Dies war möglich durch intensive Standortausbildung und den Besuch zahlreicher und vielfältiger Lehrgänge.

1995 war dann Ersatz für die Löschfahrzeuge nötig, die in die Jahre gekommen waren; Ein Löschgruppenfahrzeug LF 16/12 ersetzte das alte TLF 16/25 und das LF 8. Dringend nötig war dieses moderne Fahrzeug, hatte doch - nicht zuletzt durch das starke Anwachsen der Bevölkerung in unserem Ortsteil - die Zahl der Einsätze seit den späten achtziger Jahren stark zugenommen.

 

Mittlerweile war es allerdings eng geworden im alten Feuerwehrgerätehaus in der Taunusstraße: Die beschränkten räumlichen Verhältnisse hatten gefährliche Situationen beim Rangieren mit den großen Fahrzeugen zur Folge; der Einsatzleitwagen musste wegen Platzmangels in einer Garage auf dem Festplatz untergebracht werden. Außerdem gab es viel zu wenig Platz für Einsatzkleidung Ausrüstungsgegenstände. Seit Ende der achtziger Jahre wurden verschiedene Möglichkeiten der Erweiterung diskutiert. Unter anderem wollte die Gemeinde das Grundstück hinter dem Gerätehaus kaufen um dort einen Anbau errichten zu können.

2000_uebung.jpgSchließlich setzte sich aber 1996 doch der Vorschlag durch, im neuen Gewerbegebiet Am Burgflecken einen kompletten Neubau zu errichten. Im Mai 1998 konnte die Wehr Anspach in ihre neue Unterkunft umziehen, die reichlich Raum bietet. Unter anderem stehen hier ein geräumiger Lehrsaal für die verschiedensten Unterrichte, ein Raum die Jugendfeuerwehr, eine Atemschutzwerkstatt und eine Anlage zur Schlauchpflege und -prüfung zur Verfügung.

Derzeit verfügen die über 50 Feuerwehrleute über drei Einsatzfahrzeuge. Sie zeichnen neben dem örtlichen Brandschutz auch für die Mitarbeit bei Ausbildungsveranstaltungen des Kreises verantwortlich.